Fragen-Antworten-Spezial

Im Frühjahr 2008 hat der brasilianische Priester João Gomes Moreira die Kindertagesstätte Madre Tereza de Calcutá in São Paulo eröffnet. Seitdem leitet er den Hort, in dem bis zu 120 Kinder zwischen anderthalb und vier Jahren jeden Werktag untergebracht sind. Ein ständiger Unterstützer der Einrichtung: der Verein Kleine Taten und seine Mitglieder. In diesem Frage-Antwort-Spezial erklären die Kleinen Täter alles zu „ihrer“ KiTa.

Ein paar Fakten zur KiTa
Name: Creche (portugiesisch für KiTa) Madre Tereza de Calcutá
Ort: Embu das Artes, grenzt direkt an São Paulo

Leitung: Padre João Gomes Moreira mit einem Vorstand von 19 Gemeindemitgliedern der Gemeinde „Nossa Senhora das Vitórias & São Lucas“
Angestellte: 16 (elf Erzieherinnen, eine Reinigungskraft, zwei Köchinnen, eine Sekretärin, eine Pädagogin als Einrichtungsleitung)

Betreuungszeiten: Montags bis freitags, 7 bis 17 Uhr
Anzahl betreuter Kinder: 112 (Stand Juli 2011)
Gruppen: fünf (zwei Gruppen für Kinder im Alter von anderthalb bis zwei Jahren; drei Gruppen für Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren)

Und sonst: Außerhalb der öffnungszeiten werden die KiTa-Räumlichkeiten für Kurse (Alphabetisierungskurs, Nachhilfekurse, Treffen für Jugendliche; Englischkurse etc.) sowie von der Gemeinde genutzt für Veranstaltungen und Katechese genutzt.

Wie ist der Kontakt mit Padre João zu Stande gekommen?
Der Ursprung für den Kontakt geht ins Jahr 2005 zurück. In jenem Jahr reiste die Oestinghausenerin Tanja Gieseke nach ihrem Schulabschluss für ein Jahr nach Brasilien. Während ihres Auslandsaufenthalts bis Mitte 2006 arbeitete sie mit Padre João, dem jetzigen Direktor der KiTa, in einem Landwirtschaftsprojekt im Landesinneren von São Paulo. Das Projekt in der Gemeinde Sankt Ana in Iporanga, forcierte die Selbsthilfe von Nachfahren afrikanischer Sklaven, die sogenannten Quilombolas .
Wie ist es zur Zusammenarbeit von Kleine Taten e.V. mit der Kindertagesstätte in São Paolo gekommen?
Als sich die Arbeit in Iporanga seinem erfolgreichen Ende näherte, hatte Padre João bereits ein neues Projekt ins Auge genommen: die Gründung einer Kindertagesstätte in einer Favela am Rande der Millionenstadt São Paulo. Während Padre João seine Pläne für eine KiTa konkretisierte, haben er und Tanja Gieseke im Jahr 2007 gemeinsam mit Kleine Taten e.V. deutsch-brasilianische Zusammenarbeit beschlossen.
Warum ist die Kindertagesstätte auf Unterstützung von Kleine Taten angewiesen?
Während der Padre seinen Plan für die KiTa konkretisierte, sah er zahlreiche Schwierigkeiten auf sich zukommen. Denn ein wirklich gut ausgestatteter Hort für die arme Stadtbevölkerung schien allein wegen fehlender finanzieller Unterstützung zu scheitern. Denn anders als beispielsweise in Deutschland erhalten Gemeinden in Brasilien keine Kirchensteuer, sondern finanzieren sich lediglich durch Spenden der Gemeindemitglieder. Das ist ein besonderes Problem für die Gemeinden in Armenvierteln, da die Bevölkerung kaum Spenden machen kann. Aber es fehlt nicht nur an finanzieller Unterstützung von der Kirche. Auch der brasilianische Staat hält sich mit Subventionen für soziale Einrichtungen in den Armengegenden zurück . Als Padre João der örtlichen Gemeindeverwaltung sein Vorhaben zur Gründung der KiTa schilderte, erhielt er folgende Stellungnahme: „Wenn Sie die Räumlichkeiten stellen und die Organisation übernehmen, stellen wir die Gehälter für die Erzieherinnen. Aber eigentlich brauchen wir keine KiTa hier.“
Seit wann genau unterstützt Kleine Taten die KiTa?
Seit der Gründung von Kleine Taten im Dezember 2006. Gründungsmitglieder sind einige junge Menschen aus dem Kreis Soest, insbesondere aus Oestinghausen. (Link zum Gründungsprotokoll) Ein Ziel gibt die Satzung vor: die Unterstützung sozialer Projekte in Entwicklungsländern. Kleine Taten greifen somit per Satzung der KiTa unter die Arme.
Warum ist eine KiTa in einer Favela wichtig?
Gerade Familien in den Favelas sind auf eine ganztägige Kinderbetreuung angewiesen. Denn die Väter und Mütter haben häufig lange Strecken zu ihren Arbeitsplätzen im Zentrum São Paulos. Zu den acht bis zehn Stunden eigentlicher Arbeit kommen so noch mehrere Stunden Fahrt via Bus durch die größte Stadt der Südhalbkugel. Viele verlassen bereits um vier Uhr morgens das Haus und kommen abends gegen 19 Uhr zurück.

Da das Einkommen der meisten Brasilianer sehr niedrig ist, müssen fast immer beide Elternteile arbeiten. Für die Familien bedeutet die Kombination aus geringem Einkommen und geringer Freizeit, dass ihre Kinder deutlich zu kurz kommen. Deshalb kommt es sogar vor, dass ältere Geschwister die Erziehung ihrer jüngeren Geschwister übernehmen müssen. In solchen Fällen werden die kleinsten Favela-Bewohner nur mangelhaft betreeut und gefördert. Erst eine professionell geführte KiTa mit qualifizierten Erzieherinnen kann eine sinnvolle Betreuung der kleinsten Favela-Besucher garantieren.

Die kleinsten Bewohner der Favela, die Zukunft des Landes, ist mangelhaft betreut. Eine professionell geführte Kita mit qualifizierten ErzieherInnen kann eine nachhaltige Betreuung der Kinder garantieren.

Sind KiTas in Brasilien für die Eltern kostenlos?
Da weder Staat noch Kirche die Kosten für öffentliche Einrichtungen komplett übernehmen, müssen fast alle brasilianischen KiTas Gebühren nehmen. Das Einkommen der Eltern spielt jedoch nur selten eine Rolle bei der Festlegung der monatlichen Beiträge, die häufig zwischen 250 und 800 Reais (circa 110 bis 360 Euro) liegen.

Das Gehalt der Familien in den Favelas reicht selten für die KiTa-Gebühren eines oder mehrerer Kinder.

Wer trägt die Kosten für die Unterbringung der Kinder in der KiTa Madre Tereza de Calcutá?
Die Gehälter der 16 Angestellten inklusive Zulagen wie beispielsweise Sozialversicherung und Urlaubsgeld, sowie einen Teil der Essens-, Strom-, Gas- und Wasserkosten übernimmt die Kommune. Darüber hinaus zahlt die Stadt Embu einen geringen Betrag für die Anschaffung pädagogischen Materials. Diese Gelder reichen jedoch meist nicht aus.

Für weitere Kosten, wie zum Beispiel für die Anschaffung von Spielzeug, für den Erhalt des Gebäudes und für Renovierungen, kommen weder Staat noch Kirche auf. Die zusätzlichen Ausgaben decken Ehrenamtliche vor Ort durch verschiedene kleine Feste. Um den Betrieb des Horts nachhaltig zu sichern, hat Kleine Taten zudem das Patenschaftsprojekt organisiert.

Wie hat Kleine Taten bisher Geld gesammelt?
Um Geld für die Renovierung, Erweiterung und den Betrieb der KiTa zu sammeln, haben die Kleinen Täter in den Sommern 2007 und 2008 das Musikfestival „Celebrate Youth“ in Oestinghausen veranstaltet. Dazu kamen zahlreiche weitere Aktionen wie Bingoabende, die Teilnahme an einem Trödelmarkt oder das Kellnern auf verschiedenen Geburtstagen und Feiern in der Umgebung. Außerdem erhielt der gemeinnützige Verein zahlreiche Spenden von Privatpersonen und der Sankt Stephanus Gemeinde in Oestinghausen. Besonders erfreulich war zudem das Engagement weiterer Unterstützer: Die Sankt Stephanus Grundschule in Oestinghausen half mit Geldern vom Sponsorenlauf, die Grundschule in Lippstadt-Hörste übernahm eine Patenschaft für ein Kind der KiTa und spendete die Hälfte des Gewinns ihres Sponsorenlaufes und die vierte Klasse der Sankt Norbert Grundschule in Vreden sammelte unter der Leitung von Klassenlehrerin und Vereinsmitglied Anke Eßeling eine große Summe Geld durch eine Fahrradputzaktion.
Wie funktioniert die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Padre João und Kleine Taten?
Während seines Besuches in Oestinghausen im Herbst 2007, knüpfte Padre João Gomes Moreira die ersten Kontakte zu den Vereinsmitgliedern und weiteren Unterstützern. Darauf folgten auch Besuche von Kleinen Tätern in Brasilien: Im August 2009 machten sich Vorsitzender Boris Langerbein und Geschäftsführerin Tanja Gieseke auf den Weg nach Brasilien, im Februar 2010 Kassierer Jan Menge sowie Vereinsmitglied Anke Eßeling. Zusätzlich halten die Kleinen Täter einen regelmäßigen E-Mail- und Telefonkontakt mit Padre João.

Jeder, der die KiTa unterstützt, ist herzlich willkommen, sich vor Ort selbst ein Bild von dem Projekt zu machen.

??? Wie viel konnten die Kleinen Täter bisher spenden ???
Im Geschäftsjahr 06/07: 1.200 Euro

Im Geschäftsjahr 07/08: 16.605,01 Euro

Die Gelder aus unseren Geschäftsjahren 2006 bis 2008 konnte für die erste Bauphase genutzt werden: Das war die Renovierung des vorhandenen Gebäudes

Im Geschäftsjahr 08/09: 18.400 Euro

Die Spenden dieses Jahres konnte für die zweite Bauphase eingesetzt werden: die Erweiterung des Gebäudes um drei zusätzliche Gruppenräume und sechs Toiletten (zuvor gab es nur eine Toilette für die damaligen 80 Kinder und acht Erzieherinnen)

Im Geschäftsjahr 09/10: 2.540 Euro

Damit konnte die dritte Bauphase erfolgreich abgeschlossen werden: die Reparaturarbeiten eines Risses im Fundament des KiTa-Gebäudes

Im Geschäftsjahr 10/11: 8.500 Euro

Mit der Spende konnte die vierte und letzte Bauphase finanziert werden: der Bau eines Spielplatzes direkt neben dem KiTa-Gebäude
Insgesamt hat Kleine Taten e.V. bis zum Juli 2011 44.245,01 Euro für die KiTa in Brasilien gesammelt. Das ist in erster Linie ein Verdienst der Vereinsmitglieder und Freunde des Vereins!